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4.11.2008

Die Olivenernte 2008

Eine Frage beschäftigte uns im Oktober: wird es noch Regen geben, der den Oliven den letzten, wichtigen Wachstumsschub gibt? Leider blieb der ersehnte Regen mal wieder aus und die Oliven reiften auch ohne den Regen, blieben aber überwiegend kleiner. Obwohl die Ölmühle in Gomati seit Mitte Oktober geöffnet hatte, schoben wir die Olivenernte noch etwas heraus, begannen aber dann doch am 30. Oktober mit der Ernte. Vorher hatten wir noch zehn Stapelkisten aus Kunststoff für die Zwischenlagerung und den Transport der Oliven gekauft. Diese mit Schlitzen durchbrochenen Kisten sind ideal für Trauben- und Olivenernte, denn die geernteten Früchte können mehrere Tage gut durchlüftet gelagert werden, ohne dass man befürchten muss, dass sie verderben.

Der 30. Oktober –ein Donnerstag-  war ein idealer Tag für die Olivenernte, es war bedeckt und nicht zu warm und wir kamen mit der Ernte gut voran. Das schreibt sich alles so einfach, aber die Olivenernte gehört zu den Arbeiten, die man als anstrengend bezeichnen darf: Zuerst wird unter den Olivenbäumen eine große Plane ausgelegt, danach werden die Oliven mit einer kleinen, speziellen Plastikharke von den Ästen abgezogen, wo man nicht mit der Harke herankommt, zieht man sie mit den Händen ab und hängen die Oliven an unerreichbaren Stellen, werden die Äste mit einer langen Stange solange geschlagen, bis die Oliven herunterfallen. Danach werden die Oliven von der Plane aufgesammelt und in die bereitgestellten Kisten gefüllt.

Der Freitag versprach ein warmer Tag mit sommerlichen Temperaturen zu werden und so war es dann auch: schon früh um 07:30 hangelten wir wieder durch die Olivenbäume und im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen auf ca. 25°C und höher. Da wurde die Olivenernte zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Da es um diese Jahreszeit hier schon um 18:00 stockdunkel ist, entschieden wir uns nur zu einer kleinen Mittagspause, holten uns ein paar Pitas mit Käse bzw Spinat aus dem Dorf, stapelten zwei leere Kisten zu einem Tischchen und machten es uns unter einem Olivenbaum etwas gemütlich. Es sollte nur eine kurze Mittagspause werden, aber sie wurde noch kürzer als gedacht, denn zum ruhigen Essen blieben uns gerade nur 8 Minuten Zeit. Wir hätten es voraussehen müssen, dass unsere Katzen schnell den „Braten“ riechen würden….

Bis zum Abend hatten wir den größten Teil der Bäume abgeerntet und schafften am Samstag  bis mittags die restlichen Bäume. Da es wieder sehr warm war, waren wir froh, als wir die letzten Oliven aufgesammelt hatten. Wir fuhren auch sofort die ca. 20 km nach Gomati zur Ölmühle, wurden unsere Oliven aber nicht sofort los, da die Ölmühle an diesem Tag keine Termine mehr frei hatten. Wir bekamen einen Termin für Sonntag um 11:00 und sind dann also nochmals zur Ölmühle gefahren.

Gomati ist ein kleines Dorf, das idyllisch in einem weiten, von bewaldeten Bergen umgebenen Tal liegt. Wer nun eine ebenso idyllische alte Ölmühle erwartet, sieht sich getäuscht. Die Ölmühle sieht aus wie ein altes, großes Firmengebäude, was überhaupt nicht  in die Landschaft passt. In der Ölmühle selbst herrscht „High-Tech“. Die angelieferten Oliven kommen in einen Trichter, werden gereinigt, gewogen und mittels eines Förderbandes zu einem großen Edelstahlkessel transportiert. Wenn sie dort ankommen, sind sie bereits zerkleinert. Es gibt dort mehrere dieser Edelstahlkessel, jede Anlieferung wird strikt getrennt und das Kunststoffschild am Kessel wird mit dem Namen des Anlieferers versehen. Im Kessel wird den zerkleinerten Oliven heißes Wasser beigegeben und  ca. 1 Stunde lang zu einem Brei vermischt. Danach wird ein Schieber geöffnet und der fertige „Olivenbrei“ wird vom Wasser getrennt. Anschließend durchläuft der Brei eine Presse, wo er ausgepresst wird. Das fertige Olivenöl läuft über ein feines Sieb in eine große Edelstahlwanne und wird vom Anlieferer der Oliven selbst in Metallkanister abgefüllt, die man dort günstig kaufen kann. Man kann natürlich auch seine eigenen Behältnisse mitbringen. Der Rückstand der Pressung, der sog. „Ölpresskuchen“, landet über ein Förderband hinter der Fabrik und wird als Dünger an Landwirte verkauft.

Nun aber zurück zu unseren Oliven: es wurden insgesamt 144 kg Oliven nach der Anlieferung ausgewogen und zwei Stunden später konnten wir das goldgelbe, wohlriechende Olivenöl abfüllen. Anschließend wurden die Behälter gewogen und wird konnten 33 kg Olivenöl mit nach hause nehmen. Es war ein großes Erlebnis und ein tolles Gefühl, das erste eigene Olivenöl zu haben und im Nachhinein waren wir uns einig: es war zwar eine Knochenarbeit, aber die Olivenernte hat sich gelohnt und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

 

Fotos zu diesem Artikel befinden sich in unserem FlickR com account im Album „Olivenanbau“ oder einfach „Fotos aus Griechenland“ anklicken.

Kommentare

Das hört sich richtig gut an und wir hätten gern geholfen. Schmeckt das Öl ? Bestimmt super gut weil es die eigene Ernte ist! Vielleicht können wir es irgendwann probieren.

Wir hoffen euch nächsten Monat in Löhne zu sehen!!!!

Also bis bald und liebe Grüße

Hallo Ioanna , hallo Iannis

Haben euch den ganzen Sommer und Herbst die Daumen gedrückt.

Scheint ja wohl ein wenig geholfen zu haben!!!

Die Ernte samt Pressung wäre auch ´was für mich gewesen!!!!!

Hochgenuss an der “fetten Beute” wünschen

Tina und Ulli!!

Bis bald in OWL!!!

Hallo, Ihr 2 Südländer. Viel fehlt nicht mehr, und Ihr seid richtige Griechen geworden. Zu Eurem eigenen Olivenöl beglückwünsche ich Euch und freue mich, dass offensichtlich alles prima geklappt hat.
Tschüss aus der Heimat
Bernd

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