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2.10.2009

Die alkoholische Gärung

Am 16. September hatten wir unsere Trauben eingemaischt und das Maischefass fest verschlossen. Das bei der Gärung entstehende Kohlendioxid sollte über einen Schlauch in eine Wasserflasche entweichen. So sollte verhindert werden, dass neuer Sauerstoff in das Maischefass gelangt (näheres siehe Artikel über die Weinlese 2009).

Was nun passierte, konnte man leider nicht sehen, aber ich möchte es wie folgt beschreiben:

Im Maischefass entbrannte nun ein harter Kampf. Auf den Trauben befinden sich in der Regel verschiedene Hefen, die nun beginnen, den Zucker in der Maische zu Alkohol zu vergären. Dabei entsteht Kohlendioxid. All das wäre ganz einfach, wären da nicht noch die bösen Essigsäurebakterien, die alles daran setzen, unserer schönen Maische einen Essigstich zu versetzen, damit aus dem Traubensaft kein leckerer Wein sondern Essig wird. Für ihr „Zerstörungswerk“ benötigen die Essigsäurebakterien  Sauerstoff, der allerdings vom Kohlendioxid zerstört wird.

Bleibt also jedes Mal die bange Frage: beginnen die Hefen schnell genug ihre Arbeit und reicht das entstehende Kohlendioxid, um den Sauerstoff zu „fressen“? Dann haben die Essigsäurebakterien nämlich das Nachsehen, denn ohne Sauerstoff bleibt ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg und unsere Maische ist gerettet.

Also warteten wir ab, was passierte. Zuerst blieb alles ruhig, doch am 21.09. zeigte ein starkes Blubbern in der Wasserflasche an, dass die „stürmische Gärung“ eingesetzt hatte und das gebildete Kohlendioxid über den Schlauch durch die Wasserflasche entwich. Der Geruch des entweichenden Kohlendioxids ließ erahnen, dass im Fass Wein entstand – und hoffentlich kein Essig. Drei Tage dauerte das Geblubber, dann wurde es wieder ruhiger und am 26.09. entschieden wir uns für den Abstich, also das Trennen des frischen Weines von den Beerenresten, dem Trester.

Als wir das Maischefass öffneten, sahen wir einen festen Tresterhut. Erst als wir diesen Tresterhut entfernt hatten, konnten wir beginnen, mittels eines Schlauches den jungen Wein in ein Lagerfass abzuziehen. Wein – es war wirklich Wein -  und kein Essig wie im letzten Jahr.

Als der letzte Wein in das 100 ltr-fassende Lagerfass lief, war es fast gefüllt mit ca. 80 ltr jungem Rotwein. Davon haben wir ca. 10 ltr in eine bauchige Flasche gefüllt. Der Wein war noch trüb und hatte eine rötlich-braune Farbe, da er noch mit Schwebstoffen und Heferesten vermischt war.

Einen Tag später hatten sich Schwebstoffe und Hefe auf dem Flaschenboden abgesetzt und wir konnten einen tiefroten Wein abziehen. Und wie der schmeckt? Lecker, einfach lecker.

Den Wein im Lagerfass werden wir erstmal nicht anrühren. Er wird noch etwas nachgären und sich klären, danach ziehen wir ihn noch einmal ab in das endgültige Lagerfass, wo er dann reifen kann. Nun hoffen wir, dass nicht noch irgendwo irgendwelche Essigsäurebakterien herumschwirren und uns vielleicht doch noch den jungen „Brauser“ verderben. Aber wir sind guter Hoffnung, dass wir in ein paar Wochen unseren ersten eigenen Rotwein genießen dürfen. Dann hat sich all die Arbeit im Jahreslauf gelohnt.

Fotos zu diesem Artikel befinden sich in unserem FlickR com account im Album “Der Weingarten” oder einfach “Fotos aus Griechenland” anklicken.

Kommentare

Herzlichen Glückwunsch Euch beiden !!!!!!!

Habe immer mitgezittert.

Bis bald auf ein richtig gutes Glas Rotwein !!!

Gruß Tina und Ulli

Klasse, was für ein Erfolgserlebnis!
Ich wünsche viel Glück mit der Reife :)

Habe mir die Fotos angeschaut. Sehr schön!

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